Galerie Art und Weise
Galerie Art und Weise Galerie Art und Weise

 .: Miniaturen Wolfgang Walloch :.

Laudatio von Minne Rössler:

Die Miniaturen, die Sie hier heute ausgestellt sehen, gehören eigentlich nicht in eine konventionelle Galerie. Es sind Blätter aus der Handgalerie des Grafikers und Malers Wolfgang Walloch. Seine Idee dahinter: Eine kleine Kunstsammlung ständig bei sich zu haben. Sie jeder Zeit aus der Tasche ziehen zu können. Ob nun auf der Straße, im Cafehaus, im Urlaub, wo und wann auch immer.
Es sind eigenwillige kleine Arbeiten, die bei aller Abstraktheit dennoch Geschichten erzählen können. Von dunklen und hellen Stunden, von ruhigen und turbulenten Zeiten, von spannungs-geladenen oder entspannten Situationen. Ausgeführt sind sie in einer Mischtechnik unter Verwendung von Aquarellfarben, verschiedenen Kreiden und Stiften. Sie entstehen oft gleichzeitig. Wir haben uns im Atelier des Künstlers im Dörfchen Möhnesee-Berlingsen bei Soest von ihm zeigen lassen, wie er vorgeht. Bis zu sechzehn Büttenblätter werden auf einer Holzplatte mit Klebestreifen fixiert. Aber Wolfgang Walloch produziert nicht etwa in Serie, obwohl es auf den ersten Blick so scheinen mag. Auf jedem einzelnen der 12 x 7,5 cm kleinen Papiere entsteht eine ganze eigene Bildwelt. Jede mit einer anderen Aussage. Da können dann Bilder in leisen, fast melancholischen Tönen neben lauten Szenen stehen. Ein wilder Tanz von Linien, die den spannenden Kontrast zu einer Art meditativer Landschaft bilden. Es gehört eine besondere Hingabe dazu, sich ganz und gar auf die Gestaltung eines Bildes zu konzentrieren. Seine Komposition, seine Struktur und Farbigkeit festzulegen. Und das, ohne sich ablenken zu lassen von den anderen im unmittelbaren Blickfeld.
Für ihn als Künstler kommt der Augenblick der Wahrheit, wenn er die Klebestreifen entfernt. Wenn jedes der Bilder in sein Eigenleben entlassen wird. Erst dann stellt sich heraus, ob es vor seinen Augen bestehen kann.
Den linken Bildrand hat er übrigens mit Bedacht verbreitert. An ihm können die Miniaturen buchstäblich mit der Hand zusammen gefasst werden. Das Schöne: Jeder kann sich aus der Vielzahl der kleinen Werke seine eigene Handgalerie zusammenstellen.
Wolfgang Walloch arbeitet nicht ausschließlich in diesem Kleinformat. Es gelingt ihm durchaus, mit der gleichen Technik auch größere Blätter zu gestalten, ohne dass die Kompositionen an Dichte und Spanung verlieren. Auffällig ist die Dominanz der Linie in allen seinen Arbeiten. "Sie macht Spaziergänge um ihrer selbst Willen. Ohne Ziel." So etwa Paul Klee die innere Dynamik der aktiven Linie beschrieben. Auf der großen Fahne machen die Bewegungen der eingeknüpften bunten Kunststoffseile aus den Resten von angespülten Fischernetzen diese Eigendynamik besonders sinnfällig. Und die Linie beginnt hier ansatzweise in den Raum hinaus zu streben.
Auch bei Elke Schadwell ist die Linie Hauptakteurin. Das war der Grund, ihre Drahtobjekte mit den Miniaturen in einer Ausstellung zu zeigen. Nur gibt ihr die Metallkünstlerin, die zwischen Berlin und Hägen pendelt, die Möglichkeit, sich regelrecht als Körper den Raum anzueignen. Es sind durchsichtige, luftige, grazile Geschöpfe, die unter ihren Händen entstehen, wenn sie den Draht drückt, biegt, verknotet, verdichtet, dreht und zwirbelt. Sie haben die Tendenz abzuheben vom Boden, wie die beiden "Viecher" oder tun es ganz konkret wie die schwebende gefiederte Jungfrau. Als "Plastiken ohne Masse" hat ein italienischer Kunstkenner ihre Arbeiten beschrieben.. Auch ein Picasso-Zitat könnte auf sie zutrteffen: "Statuen aus nichts, aus Leere". Nur sind sie eben nicht statisch. Sondern scheinen zu vibrieren, ja lebendig zu werden, geht man um sie herum.
Und von noch einer anderen Seite haben wir uns mit der Linie beschäftigt. Allerdings über einen kleinen Umweg. Ich erzählte Frau Itoh, der Hamburger Pianisten, die uns heute Abend vorspielt, von den Miniaturen Wolfgang Wallochs und zeigte ihr einige. Sie konnte mich schnell davon überzeugen, dass zwischen diesen kleinen Arbeiten und einem Werk des französischen Komponisten Erik Satie eine Art Verwandtschaft besteht. Er schrieb 1914 eine Reihe musikalischer Miniaturen zu einer Serie von zwanzig Illustrationen, die zusammengefasst wurden unter dem Titel" Sport und Zeitvertrieb". Satie schrieb aber nicht nur die Musik, sondern auch amüsante, skurile Texte, die an vielen Stellen eine grafische Entsprechung im Notenbild fanden. Und eine Partitur besteht auch aus Strichen, Punkten und Bögen. Aber Frau Itoh weiß mehr darüber.
Eine Anmerkung noch zu den Miniaturen. In unserem Verständnis sind es kleine Bilder. Kleine Stücke. Aber der Begriff der Miniatur leitet sich nicht vom Lateinischen minuere - also - verkleinern her - sondern von Minium oder Zinnober, einer gelb bis tiefroten Farbe, mit der die Miniatoren, die Buchmaler des Mittelalters arbeiteten.

Impressum & Kontakt
Warning: include_once(): open_basedir restriction in effect. File(/srv/www/vhosts/art-und-weise.de/httpdocs/backend/plugins/eppitools_statistik/insert.php) is not within the allowed path(s): (/var/www/vhosts/art-und-weise.de/:/tmp/) in /var/www/vhosts/art-und-weise.de/httpdocs/index.php on line 96 Warning: include_once(/srv/www/vhosts/art-und-weise.de/httpdocs/backend/plugins/eppitools_statistik/insert.php): failed to open stream: Operation not permitted in /var/www/vhosts/art-und-weise.de/httpdocs/index.php on line 96 Warning: include_once(): Failed opening '/srv/www/vhosts/art-und-weise.de/httpdocs/backend/plugins/eppitools_statistik/insert.php' for inclusion (include_path='.:') in /var/www/vhosts/art-und-weise.de/httpdocs/index.php on line 96